Sensiblem Thema mit Sensibilität begegnen

Von Jenny Stoffers :

Sensiblem Thema mit Sensibilität begegnen

Sind die Begriffe „Asylant“ und „Asylbewerber“ Synonyme? Bezeichnen die Worte „Asylheim“ und „Asylbewerberunterkunft“ nicht dieselbe Einrichtung?

Ja und Nein. Natürlich versteht jeder, dass von Personen die Rede ist, die in unserem Land um Asyl ersuchen, wenn der Extratipp am 12.10.14 titelt: „Platz für 250 Asylanten“. Und doch – ich bin über das Wort „Asylanten“ beim Lesen dieses Artikels gestolpert. Und meine Recherche ergab: zu Recht. Laut der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) tauchte das Wort „Asylant“ um 1970 im deutschen Sprachgebiet auf und wurde von Anfang an von rechtsstehenden und fremdenfeindlichen Organisationen und Personen gebraucht. Daraus resultiert der abwertende Beigeschmack, den das Wort „Asylant“ beim Leser hinterlässt.

In den aktuellen Diskussionen auf unseren Straßen sowie in den sozialen Netzwerken, die anlässlich der Einrichtung einer Erstaufnahmeunterkunft im Katharinen-Hospital in Willich entfacht sind, zeigt sich jedoch, dass diese Thematik viele Emotionen in uns weckt. Verunsicherung und Angst bei denen, die sich fragen, was genau jetzt eigentlich geplant ist und worauf man sich einzustellen hat und ob und wenn ja wie sich das Leben in Willich durch diese Einrichtung verändern wird. Verwunderung über die rasche und unerwartete Nutzungsänderung und -art des ehemaligen Krankenhauses. Wut und Enttäuschung darüber, dass das Krankenhaus überhaupt geschlossen wurde. Wut gegen die Eigentümer des ehemaligen Krankenhauses.

Diese Emotionen sind berechtigt. Und es ist wichtig, dass die kursierenden Fragen Gehör und Antworten finden. Die Willicher Bürger, aber auch die Willicher Politik und Verwaltung wurde von dem Schritt, im Katharinen-Hospital im Stadtkern von Willich eine Erstaufnahmeunterkunft für Asylsuchende und Flüchtlinge einzurichten, überrascht. Dieser Umstand ist bis zu einem gewissen Grad sicherlich der im Allgemeinen angespannten Unterbringungslage und dem bevorstehenden Winter geschuldet. Wir alle verfolgen in den Medien die Berichte aus überfüllten Aufnahmeunterkünften und steigenden Flüchtlingszahlen. Die Mehrheit unserer Gesellschaft spricht sich sogar klar dafür aus, dass Deutschland mehr Flüchtlinge aufnehmen soll. Es ist klar, dass diese Menschen auch irgendwo untergebracht werden müssen. Und nun hat die Bezirksregierung Arnsberg entschieden, dass ein Teil dieser Flüchtlinge und Asylbewerber zunächst nach Willich kommen werden.

Manch einer mag mich jetzt als Pedantin bezeichnen, wenn ich angesichts der vielen offenen Fragen an der Überschrift eines Artikels hängen bleibe und mich an deren Wortwahl störe. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es besonders wichtig, dass die wenigen Informationen und Fakten, die uns aus Richtung der Bezirksregierung Arnsberg erreichen, zum einen möglichst schnell und möglichst viele Willicher Bürger erreichen. Hier kommen die Medien ins Spiel. Und damit auch die Zeitungen. Dabei ist es aber genauso wichtig, wie diese Informationen weitergegeben werden. Bei einem solchen emotionalen Thema wünsche ich mir Sensibilität und Bewusstsein bis in die Terminologie eines jeden Zeitungsartikels.

Und deshalb macht es einen Unterschied, ob man von „Asylanten“ oder von „Asylbewerbern“ bzw. „Asylsuchenden“ spricht. Denn es kann dazu beitragen, dass Emotionen, die durch die Schließung des Katharinen-Hospitals und die aktuell mangelnde Informationspolitik hervorgerufen wurden, nicht auf die Menschen projiziert werden, die aus der Not heraus ihre Heimat verlassen mussten und nun bei uns Hilfe suchen.
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